Dallmann-Twins: "Gutes Gefühl" in Warbeyen (2024)

"Von Lindas Qualität trennt mich einiges": Jule Dallmann (r.) mit Zwillingsschwester Pauline.[Foto: MSPW]

Sie sind beste Beispiele für besondere Frauen im Fußball, die der DFB derzeit in der Women's Week feiert. "Ein wenig fußballverrückt sind wir schon", sagt Jule Dallmann (26) im Gespräch mit FUSSBALL.DE. Gemeinsam mit ihrer nur eine Minute jüngeren Zwillingsschwester Pauline kickt die Offensivspielerin seit knapp vier Jahren für den VfR Warbeyen 1945 in der Frauen-Regionalliga West, mischt dort mit dem kleinen Verein aus dem niederrheinischen Kreis Kleve in der Spitzengruppe mit und darf auch noch auf die Qualifikation für den DFB-Pokal der Frauen in der nächsten Saison hoffen.

Daran haben Jule und Pauline Dallmann, deren dreieinhalb Jahre ältere Schwester Linda (29) mit großem Erfolg für den FC Bayern München und die deutsche Frauen-Nationalmannschaft am Ball ist, als Leistungsträgerinnen des Teams nicht unmaßgeblichen Anteil. "Wir gehören in unserem insgesamt sehr jungen Team inzwischen schon zu den älteren und erfahreneren Spielerinnen", berichtet Pauline - und schiebt mit einem Lachen ein nicht ganz ernstgemeintes "leider" hinterher.

Zwei Pflichtspiele in 40 Stunden

Wie "fußballverrückt" sämtliche sieben Dallmann-Geschwister (drei Mädchen und vier ältere Brüder, die ebenfalls allesamt Fußballer sind oder waren) sind, dokumentierten die beiden "Küken" Jule und Pauline erst kürzlich. Innerhalb von nur fünf Tagen bestritten sie für den VfR Warbeyen drei Pflichtspiele nahezu über die komplette Distanz, zwei davon sogar innerhalb von nur etwas mehr als 40 Stunden.

"Von Lindas Qualität trennt mich einiges"

Doch der Reihe nach: Neulich halfen Jule und Pauline Dallmann gemeinsam mit den beiden Abwehrspielerinnen Chloé und Zara Rickes (beide 22), einem weiteren Zwillingspaar beim VfR Warbeyen, zunächst über jeweils 90 Minuten in der zweiten Mannschaft beim 0:0 in der Landesliga gegen den SV Budberg aus. "Das Team hat große Personalprobleme, soll aber als Unterbau für unsere Mannschaft unbedingt in der Landesliga bleiben", berichtet Pauline Dallmann. "Als Verein müssen wir zusammenhalten."

Der 90-Minuten-Einsatz in der 5. Liga hinderte sie allerdings nicht daran, auch eineinhalb Tage später im Regionalliga-Heimspiel gegen den FSV Gütersloh 2009 II (2:1) von Beginn an aufzulaufen. Jule Dallmann avancierte dabei nach einem 0:1-Rückstand auch noch mit ihren Saisontreffern sechs und sieben zur Matchwinnerin für den Tabellenvierten. "Das war schon ein hartes Programm, zum Glück hat es dennoch ganz gut funktioniert", sagt die Doppeltorschützin bescheiden.

Doch mit der "Doppelschicht" nicht genug: Drei Tage darauf ging es mit dem Halbfinale im Niederrheinpokal weiter. Beim FV Mönchengladbach aus der Niederrheinliga wurde das Team von VfR-Trainer Sandro Scuderi nach hartem Kampf seiner Favoritenrolle gerecht und zog durch einen 3:2-Auswärtserfolg zum dritten Mal nacheinander in das Endspiel ein. Erneut standen die Dallmann-Zwillinge über die komplette Spielzeit auf dem Platz und wurden vor Ort von ihren aus Hünxe angereisten Eltern und zwei ihrer vier Brüder unterstützt.

"Wir haben es am Ende nach einer 2:0- und 3:1-Führung noch unnötig spannend gemacht", meinte Jule, die erneut zu den Torschützinnen ihres Teams gehörte. Auch Zwillingsschwester Pauline atmete nach dem dritten Auftritt innerhalb weniger Tage tief durch: "Zum Glück haben wir in unserer Liga in der Regel nur sehr wenige Englische Wochen. Sonst würde das schon sehr an die Substanz gehen." Schließlich sind beide neben dem Fußball voll berufstätig, Jule als Technische Zeichnerin in Rheinberg, Pauline als Polizeibeamtin im Streifendienst in Dinslaken.

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Bundesligadebüt für Gladbach

Lange Zeit hatte es danach ausgesehen, als könnten Jule und Pauline Dallmann in die Fußstapfen ihrer großen Schwester treten. Mit der U 17 der SGS Essen, bei der auch Linda ihren Durchbruch zur Bundesliga- und Nationalspielerin geschafft hatte, erreichten die Zwillinge das Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft und wechselten dann gemeinsam in den Nachwuchs des damaligen 1. FFC Frankfurt, der inzwischen unter dem Dach der Eintracht kickt. Auch von der U 15 bis zur U 17 waren beide für die deutschen Juniorinnen-Nationalmannschaften am Ball.

Später ging es weiter zu Borussia Mönchengladbach, wo der Aufstieg in die Frauen-Bundesliga gelang und beide auch in der höchsten deutschen Frauen-Spielklasse debütierten. 2018 trennten sich für zwei Jahre die Wege: Pauline blieb während ihrer Ausbildung bei der Polizei zunächst in Gladbach, während Jule zur SGS Essen zurückkehrte und dort sogar noch gemeinsam mit Linda in der Frauen-Bundesliga kickte. "Von Lindas Qualität trennt mich aber einiges", gibt sie ehrlich zu. Während Linda 2019 zum FC Bayern wechselte, kam Jule nicht über acht Einsätze für die SGS hinaus.

"Im Jahr 2020 hatten wir beide den Wunsch, unbedingt wieder zusammenzuspielen, und haben uns deshalb nach einem passenden Klub umgesehen", erzählt Pauline Dallmann. "So sind wir auf den VfR Warbeyen gestoßen, der uns ideale Bedingungen bietet." Der Dorfverein - Warbeyen hat knapp 800 Einwohner*innen - war zu diesem Zeitpunkt gerade sensationell in die drittklassige Frauen-Regionalliga West aufgestiegen und behauptet sich dort ausgezeichnet. "Der Verein ist sehr familiär und gibt uns ein gutes Gefühl", sagt Jule. "Der Kontakt geht auch deutlich über den Fußball hinaus. Wir unternehmen auch privat sehr viel gemeinsam", ergänzt Pauline.

Zwei Pokalendspiele an einem Tag

Noch größer ist freilich der Zusammenhalt in der Familie Dallmann. "Jede und jeder unterstützt sich gegenseitig", berichtet Pauline. "Auch mit Linda stehen wir nach wie vor fast täglich in Verbindung", verrät Jule. Regelmäßig erhält die Nationalspielerin in München Besuch von Familienmitgliedern, die dann oft auch im Stadion die Daumen drücken.

Eine besondere Herausforderung wartet auf die Familie vom Niederrhein allerdings an Christi Himmelfahrt. An diesem Donnerstag (ab 16 Uhr) bestreitet nämlich Linda Dallmann mit dem FC Bayern München im Kölner RheinEnergieStadion das Endspiel um den DFB-Pokal der Frauen gegen den Titelverteidiger und Seriensieger VfL Wolfsburg. Das "Problem": Am selben Tag steht in Mülheim auch das Finale um den Niederrheinpokal zwischen dem Verbandsligisten DJK Blau-Weiß Mintard und dem favorisierten Regionalligisten VfR Warbeyen 1945 auf dem Programm.

Die Prioritäten sind aber klar. "Es ist ein großes Ziel von uns, den DFB-Pokal der Frauen zu erreichen", sagt Pauline. "Von daher wird unser voller Fokus zunächst auf unser Finale gerichtet sein." Sollte der Sprung auf die bundesweite Pokalbühne gelingen, wäre dort schließlich sogar ein Duell mit der großen Schwester nicht ausgeschlossen.

Autor/-in: Ralf Debat/MSPW

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